Willkommen im Hinterzimmer

Bevor irgendjemand fragt: Nein, wir verkaufen dieses Jahr keinen Honig. Ja, das wissen wir. Nein, das ist kein Fehler in der Planung. Dazu mehr in einem anderen Artikel — heute geht es um die eigentlichen Chefinnen des Ganzen: die Bienen.

Wir tun gerne so, als hätten wir hier alles im Griff. Die Wahrheit ist: Wir sind bestenfalls das mittlere Management. Die eigentliche Chefin sitzt tief im Stock, hat nie ein Meeting einberufen und trotzdem hört jede einzelne Biene aufs Wort. Die Bienenkönigin legt an guten Tagen über 1.500 Eier — mehr als ihr eigenes Körpergewicht. Zum Vergleich: Wir schaffen an guten Tagen drei E-Mails und einen Kaffee.

Was uns beim Einstieg in die Imkerei am meisten überrascht hat: Ein Bienenvolk ist kein Haufen Einzeltiere, sondern ein einziger Organismus mit zehntausenden Zellen, der zufällig fliegen kann. Jede Biene hat einen Job — Wächterin, Sammlerin, Ammenbiene, Baumeisterin — und wechselt diesen Job im Lauf ihres kurzen Lebens mehrmals, ganz ohne Bewerbungsgespräch. Wenn eine Kollegin ausfällt, rückt einfach eine andere nach. Kein Konzern der Welt ist so krisenfest organisiert wie ein Bienenstock.

Und dann ist da noch die Kommunikation: Bienen erzählen sich per Tanz, wo es die besten Blüten gibt — Richtung, Entfernung, sogar die Qualität der Tracht, alles verschlüsselt in Bewegung. Wir haben Jahre gebraucht, um zu lernen, das überhaupt zu lesen. Die Bienen können es, seit es Bienen gibt.

Warum erzählen wir das alles? Weil wir finden, dass Bienen den besten Ruf der Welt haben und trotzdem kaum jemand weiß, warum. „Fleißig wie eine Biene“ ist im Grunde eine Beleidigung — es klingt nach stumpfer Maloche, dabei ist ein Bienenvolk eher wie eine gut geführte Familie mit klaren Zuständigkeiten und einer Chefin, die niemand infrage stellt. Genau das ist auch der Grund, warum wir dieses Jahr die Finger vom Honig lassen: Man legt sich nicht mit dem Betrieb einer Chefin an, die weiß, was sie tut, bevor er richtig läuft.

Wir werden hier im Hinterzimmer regelmäßig aus dem Bienenstock berichten — was gut läuft, was schiefgeht, und was wir selbst erst lernen mussten. Ehrlich, nicht beschönigt. Manchmal mit einem Lächeln, aber nie unseriös.

Willkommen im Kartell. Die Königin weiß schon Bescheid.

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